Vom 7. bis 11. Mai 2026 reisten Johannes Wollbold und Uwe Werner Schierhorn von der BAG Frieden der Partei dieBasis nach Belarus. Eingeladen wurden sie von dem belarussischen Philosophen, Historiker, Politologen, Journalisten und Friedensaktivisten Valeriy Derkatch. Ziel der Reise war der Austausch über Erinnerungskultur, die Folgen des Zweiten Weltkriegs und die Frage, wie heute neue Feindbilder und Kriegslogiken überwunden werden können.
Valeriy Derkatch wird im Jahr 2026 auch auf den Friedensfestivals in Friesack, Magdeburg und auf der Ordensburg Liebstedt über das Thema „Versöhnung“ sprechen.
Erinnerung an Krieg und Befreiung
Ein erster wichtiger Programmpunkt war der Besuch eines Museums in Brest. Dort werden vor allem in Polen abgebaute Denkmäler für die Opfer der sowjetischen Armee und Bevölkerung dokumentiert, die bei der Befreiung vom Hitler-Faschismus ihr Leben verloren haben. Vor diesem Hintergrund erläuterten die Teilnehmer die Ziele ihrer Reise: Erinnerung bewahren und gleichzeitig Wege suchen, heutige kriegstreibende Feindbilder gegenüber Russland und Belarus abzubauen.
Ein Video zur Reise findet sich hier:
Telegram-Beitrag zur Reise nach Brest
Austausch mit Vertretern aus Belarus
Während des Aufenthalts führten Johannes Wollbold und Uwe Werner Schierhorn ein ausführliches Gespäch mit einem Stellvertreter des Brester Bürgermeisters. Vorher hatten sie an einem Empfang der Kommunistischen Partei von Belarus teilgenommen, gemeinsam mit einer von der DKP-Stiftung initiierten Reisegruppe.
Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie Frieden, Erinnerungskultur und internationale Verständigung in einer Zeit wachsender Spannungen gestärkt werden können.
Besuch des Soldatenfriedhofs Berjosa
Am folgenden Tag besuchte die Delegation den deutschen und ungarischen Soldatenfriedhof Berjosa zwischen Brest und Minsk. Der Ort führte zu nachdenklichen Fragen:
Warum waren diese Soldaten hier?
Wofür haben sie gekämpft?
Und wofür sollen heute Bundeswehrsoldaten beispielsweise in Litauen eingesetzt werden?
Uwe Werner Schierhorn sang dort das Lied „Soldat“ von Wolf Biermann – ein stiller Moment des Gedenkens und der Reflexion über Krieg und Verantwortung.
Gedenken am „Tag des Sieges“
Am 9. Mai nahm die Gruppe an den großen Feierlichkeiten zum „Tag des Sieges“ auf der Festung Brest teil. Die Festung gilt als eines der bedeutendsten Symbole des sowjetischen Widerstands gegen den deutschen Überfall im Zweiten Weltkrieg.
Im Anschluss wurde – zeitgleich mit vielen weiteren Veranstaltungen in deutschen und europäischen Städten ein durch Veleriy Derkatch auf Belarus zugeschnittener Appell zur Unterstützung des Projekts European Peace Project verlesen. Gemeinsam, auf Deutsch und Russisch.
Das Video dazu ist hier abrufbar:
YouTube-Video zum Friedensappell

v.l.n.r.: Heiner Jacken, Uwe Werner Schierhorn, Valeriy Derkatch, Anatoly Benseruk (Historiker), Johannes Wollbold
Die Gedenkstätte Dremlevo
Am letzten Tag der Reise besuchten die Teilnehmer die Gedenkstätte Dremlevo zwischen Brest und Minsk. Sie erinnert an zahlreiche zerstörte und niedergebrannte Dörfer in Belarus während der deutschen Besatzung.
In Dremlevo wurden fast alle Einwohner im Rahmen einer Vergeltungsaktion gegen Partisanen ermordet. Die Gedenkstätte steht beispielhaft für das enorme Leid der Zivilbevölkerung im Zweiten Weltkrieg.
Weitere Eindrücke gibt es hier:
Telegram-Beitrag zur Gedenkstätte Dremlevo
Ausblick: „Versöhnung und Gerechtigkeit“
Aus der Reise heraus entstand die Idee, künftig verstärkt an einer gemeinsamen Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit zu arbeiten. Valeriy Derkatch und Uwe Werner Schierhorn planen den Aufbau einer Website mit dem Titel „Versöhnung und Gerechtigkeit“.
Ziel soll es sein, Räume für Dialog, historische Aufarbeitung und friedliche Verständigung zwischen Menschen verschiedener Länder zu schaffen.
Die Reise nach Belarus machte deutlich: Erinnerung an die Schrecken des Krieges kann nicht nur Mahnung sein, sondern auch Ausgangspunkt für neue Verständigung und Versöhnung in Europa.
Beitragsfoto: Von Veenix – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6357083
Dramljowa (Dremlevo): Im Jahr 1982 wurde eine Gedenkstätte an der Stelle des ehemaligen Dorfes eingerichtet. Vor einem aufgeschütteten Erdhügel steht ein Mahnmal von drei trauernden Frauen unterschiedlichen Alters. Die Bronzefiguren sitzen auf montierten Felsblöcken. In der Nationalen Gedenkstätte der Republik Belarus wurde Erde aus dem Dorf in einem Gräberfeld „bestattet“. Das Foto zeigt das Gräberfeld auf der Gedenkstätte Cathyn. (Wikipedia)
Foto aus Dremlovo: „Source: Anna Sinowjenko, Release: 20260510 Uwe Werner Schierhorn“